So wird das Schulessen zum Renner: 5 Praxistipps
Gesundes Schulessen ist nicht immer ein Selbstläufer. Mit einigen wenigen Änderungen lässt lässt sich aber viel bewegen, ist Lisa Mittischek überzeugt. Im Vorfeld der Tagung „Mehr Biss für die Schulverpflegung“ am 17. November gibt sie 5 Tipps für den Alltag.
Dr. Lisa Mittischek ist Soziologin und Obfrau des Vereins Modellschule Graz – eine Ganztagsschule mit gesundem Mittagessen. Wobei: „Nur zu sagen, das Essen ist gesund, ist bei Jugendlichen meistens kein hilfreiches Narrativ“, betont Mittischek.
Tipp 1: Die soziale Kraft des Essens nutzen
„Essen ist so viel mehr als reine Nahrungsaufnahme“, verweist Mittischek auf die „soziale Kraft des Essens“. Auf diese wird sie auch bei ihrer Keynote am 17. November näher eingehen. „Es gibt sehr viele Faktoren, die über den biologischen Teil hinausgehen. Etwa mit wem ich esse, in welcher Umgebung ich esse, was ich esse, welches Essen ich mir leisten kann, wie wir über Essen Gemeinschaft oder Ausschlüsse erzeugen und so weiter.“ Speziell für Schulen sind das entscheidende Faktoren: Essen benötigt beispielweise eine Atmosphäre, in der sich die Kinder und Jugendlichen gemütlich unterhalten können – wofür sowohl Zeit als auch ein ansprechender Raum notwendig sind. „Wenn man sich beeilen muss, weil nicht genug Platz im Raum ist, kann das schwer gelingen.“

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Tipp 2: „Influencerinnen und Influencer“ für das Schulessen finden
Für Jugendliche macht einen großen Unterschied, ob Eltern sagen „Ich würd‘ mir die rote Hose kaufen“ oder ob sie die Lieblings-Influencerin auf TikTok empfiehlt. Dieser Effekt lässt sich auch in der Schule nutzen: Wenn beliebte Schülerinnen oder Schüler bzw. Lehrpersonen als „Fürsprecherinnen oder Fürsprecher“ für das Mittagessen gewonnen werden, folgen meist auch andere. „Wir haben diese Erfahrung an der Modellschule Graz gemacht“, erzählt Mittischek. „Es gab in einer Klasse die Tendenz, dass die Kinder seltener zum Mittagessen gingen. Ein beliebter Klassenvorstand ging daraufhin mit der ganzen Klasse zum Essen, es entstand eine gute soziale Atmosphäre und siehe da: Plötzlich hat es den meisten Kindern wieder geschmeckt.“
Tipp 3: Die Macht der Wahlfreiheit nutzen
Ganz wichtig ist die Präsentation auf dem Teller: Jugendliche (wie auch die meisten Erwachsenen) möchten das Gefühl haben, selbst wählen zu können. Daher: Statt Gemüsereis besser Reis, Karotten und Erbsen getrennt anbieten. Außerdem kann so eher auf individuelle Abneigungen eingegangen werden: Wenn jemand keine Erbsen mag, lässt er oder sie den Gemüsereis (wenn er Erbsen enthält) als Ganzen unangerührt. Wenn die Erbsen extra am Teller sind, ist die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, dass zumindest der Reis und die anderen Gemüsesorten gegessen werden – und dass die Schülerin bzw. der Schüler nicht das Gefühl hat, „heute gab es gar nichts für mich“. Damit kann auch die Menge an Nahrung reduziert werden, die weggeworfen wird.
Tipp 4: Echte Partizipation ermöglichen – und keine „Scheinbefragungen“
Schülerinnen und Schüler müssen erleben, dass ihre Meinung echte Konsequenzen hat. Reine Befragungen ohne sichtbare Veränderungen erzeugen hingegen nur Frust.
An der Modellschule Graz wünschten sich die Jugendlichen beispielsweise aus Klimaschutzgründen drei rein vegetarische Tage pro Woche – die konsequente Umsetzung führte dazu, dass mehr Schülerinnen und Schüler mit Freude am Essen teilnehmen.
Transparente Rückmeldungen helfen Jugendlichen zudem zu verstehen, wie Gruppenentscheidungen funktionieren. Mittischek hat dazu ein Beispiel: „Wenn ein Kind in der Befragung sagt, es gibt zu selten Fleisch, der Großteil aber für mehr vegetarisches Angebot ist, muss ich das dem Kind mit der Fleisch-Vorliebe kommunizieren. Sonst hat es das Gefühl, sein Feedback wurde ignoriert.“
Tipp 5: Social Media und Geschlechterrollen im Unterricht aufgreifen
Über Plattformen wie TikTok oder Instagram kommen Jugendliche täglich mit Foodtrends und Rezeptideen in Berührung – aber auch mit gesundheitlich fragwürdigen Trends wie dem „Protein-Hype“ oder diversen Diäten. Auch sind „Geschlechter-Klischees“ – etwa „Männer brauchen Fleisch“ oder „Frauen müssen schlank sein“ – auf Social Media sehr präsent. Mittischek empfiehlt hier, im Unterricht darauf einzugehen, damit junge Menschen Geschlechterrollen reflektieren und echte Ernährungskompetenzen erwerben können.
Jetzt anmelden: Tagung „Mehr Biss für die Schulverpflegung“ in Graz!
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Am 17. November 2026 findet in Graz die Fachtagung „Mehr Biss für die Schulverpflegung“ statt. Diese bietet Gelegenheit, Referentinnen wie Lisa Mittischek live zu erleben, sich mit Kolleginnen und Kollegen aus Pädagogik, Schulleitung und Gastronomie auszutauschen und konkrete Erfolgsrezepte für eine gesunde, beliebte Schulverpflegung mitzunehmen.