ELGA Projectathon 2026: Wo digitale Gesundheitsversorgung praktisch erprobt wird
Beim ELGA Projectathon der IHE Austria von 15. bis 17.09.2026 im LKH-Univ. Klinikum Graz bringen IHE Austria und ELGA Gesundheitswesen, Verwaltung, Forschung und Industrie zusammen. Im Mittelpunkt stehen die Interoperabilität von Gesundheits-IT-Systemen sowie der Austausch von ELGA e-Befunden und ELGA-Bilddaten.
Wie kommunizieren Spitäler, Labore und Arztpraxen im digitalen Zeitalter sicher und fehlerfrei miteinander? Die Antwort liefert der österreichische ELGA Projectathon der IHE Austria. Im Seminarzentrum des LKH-Univ. Klinikums Graz testen IT-Unternehmen und Entwickler die Interoperabilität ihrer Software-Produkte für das Gesundheitswesen. Im Fokus steht der standardisierte Datenaustausch von ELGA-Bilddaten, um die Systeme für die Softwarehersteller und die Nutzer solcher Programme einerseits und für die Vorgaben für den Europäischen Gesundheitsdatenraum (EHDS) andererseits fit zu machen.
Pressekonferenz: v.l. Ulf Drabek (Vorstand der KAGes), Karlheinz Kornhäusl (Gesundheitslandesrat), Alexander Degelsegger (Sektionschef im Gesundheitsministerium), Alexander Schanner (Sprecher des Vorstandes der IHE Austria), Emmanuel Helm (Standardisierungsexperte in der ELGA GmbH) – © Land Steiermark / Jakob Grill
Podiumsdiskussion: v.l. Herwig Loidl (IHE Austria), Markus Pedevilla (KAGes), Michael Koren (Gesundheitsfonds Steiermark), Emmanuel Helm (ELGA), Alexander Degelsegger (Gesundheitsministerium), Alexander Schanner (IHE Austria) – © Gesundheitsfonds Steiermark
Vorteile für Patientinnen und Patienten
Für Patientinnen und Patienten bedeutet das ganz konkret: Beim ELGA Projectathon wird die Technologie getestet, damit Patientinnen und Patienten neben ihren Befunden auch Bilder (Röntgen, CT, MR, Ultraschall etc.) künftig direkt über ELGA aufrufen können und die Röntgen-Bilder nicht mehr physisch von Arzt zu Arzt bzw. Ärztin zu Ärztin tragen müssen. Egal ob in Wien, Bregenz oder Graz – berechtigte Ärztinnen und Ärzte haben die Bilder im Ernstfall sofort parat.
Die Interoperabilität gewährleistet aber auch die Datenübertragbarkeit (Dataportability) wie sie von der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) gefordert wird. Dies hat etwa den Vorteil für Gesundheitsdienste-Anbieter, dass sie bei einem Systemwechsel ganz einfach die vorhandenen Daten übernehmen können und somit von einem „Vendor Lock-in“ (Anbieterabhängigkeit) nicht bedroht sind. Dadurch entsteht ein fairer Wettbewerb.
Zweite Veranstaltung in Österreich
Der Ablauf des ELGA Projectathons erinnert ein wenig an eine LAN-Party (Local-Area-Network-Party), wobei beim ELGA Projectathon sogenannte „IHE-Monitore“ die Übertragungen streng kontrollieren, protokollieren und die Prüfergebnisse veröffentlichen.
Ein Projectathon ist eine spezielle Form eines Connectathons („Test-Marathon“), bei dem ein spezielles Projekt (in dem Fall ELGA) im Fokus steht. IHE Connectathons finden weltweit statt. IHE Europe organisiert seit 2001 die IHE Europe Connectathon Week, die 2025 in Wien stattfand. Damit ist der ELGA Projectathon der IHE Austria erst die zweite Veranstaltung dieser Art, die in Österreich stattfindet. Nähere Infos: https://www.ihe-austria.at/connectathon/
Gleiche Standards für alle Systeme und den Datenschutz
IHE steht für Integrating the Health Enterprise, eine internationale Initiative, wo Anwender (User) von IT-Systemen und Medizintechnik gemeinsam mit Herstellern (Vendor) dieser Systeme und Geräte Vorgaben definieren, die den Datenaustausch zwischen unterschiedlichen Geräten von verschiedenen Herstellern auf Basis internationaler Standards gewährleisten.
Auf Basis dieser Vorgaben, IHE-Profile genannt, veranstaltet IHE jährliche Test-Marathons, sogenannte Connectathons, wo konkurrierende Firmen ihre Produkte auf Interoperabilität testen.
Die Elektronische Gesundheitsakte ELGA in Österreich basiert ebenfalls auf internationalen Standards bzw. auf IHE-Profilen. Im Rahmen des ELGA-Projectathons wird nun die Interoperabilität von Systemen unterschiedlicher Hersteller getestet, die im Rahmen von ELGA zur Anwendung kommen – mit dem Schwerpunkt rund um Bilddaten.
Durch die stringente Verwendung von internationalen Standards bei ELGA sind wir in Österreich auch bestes vorbereitet für den Europäischen Datenraum EHDS und entspricht damit auch den Vorgaben des der Datenschutzgrundverordnung.
Projectathon bestätigt Vorreiterrolle im Bereich E-Health
Karlheinz Kornhäusl, Gesundheitslandesrat: „Dass diese hochkarätige Veranstaltung in Graz stattfindet, bestätigt unsere Vorreiterrolle im Bereich E-Health. Bei der Veranstaltung geht es darum, das optimale Zusammenspiel der IT-Systeme im Gesundheitswesen noch weiter zu verbessern. Kooperation ist der Schlüssel im Gesundheitswesen – technisch gesehen ebenso wie auf institutioneller Ebene. So nutzen wir die Potenziale von E-Health und sichern wir eine hochwertige Versorgung, bei der auch weiterhin der Mensch im Mittelpunkt steht.“
Alexander Degelsegger, Sektionschef im Gesundheitsministerium: „Mit dem Europäischen Gesundheitsdatenraum wird ein neuer, wegweisender Rahmen für den Austausch von Gesundheitsdaten geschaffen. Patientinnen und Patienten können in Zukunft digital über ihre wesentlichen Gesundheitsdaten verfügen, inklusive einer einheitlichen Patientenkurzakte. Forschung und Gesundheitssystemsteuerung erhalten besseren Zugang zu Gesundheitsdaten ohne direkten Personenbezug. Österreich ist mit der ELGA-Infrastruktur und den Standards, auf denen sie aufsetzt, gut vorbereitet. Mehr noch: durch unsere aktive Rolle in der europäischen Standardisierungs-Community können wir maßgeblich zu einer erfolgreichen EHDS-Umsetzung beitragen. Veranstaltungen wie der ELGA Projectathon dienen hier als Impulsgeber und unterstützen die Stakeholder-Landschaft in der Vorbereitung auf den bevorstehenden Paradigmenwechsel.“
Abstimmung von EDV-Anwendungen
Ulf Drabek, Vorstand der KAGes: „Je besser die EDV-Anwendungen miteinander abgestimmt sind, desto effizienter werden unsere administrativen Abläufe – davon profitieren unsere Mitarbeitenden ebenso wie unsere Patientinnen und Patienten. Deshalb unterstützen wir IHE Austria in ihrem Bemühen um einheitliche Standards im Datenaustausch und beteiligen uns am Projectathon.“
Emmanuel Helm, Standardisierungsexperte in der ELGA GmbH: „IHE schafft einen international etablierten Rahmen für die interoperable Umsetzung von Gesundheits-IT. Für ELGA sind IHE-Profile eine wichtige Grundlage, um den standardisierten Austausch von Gesundheitsinformationen über System- und Herstellergrenzen hinweg zu ermöglichen. Der Projectathon bringt diese Vorgaben in die Praxis: Er schafft eine gemeinsame Testumgebung, in der Systeme und Schnittstellen frühzeitig auf ihre Interoperabilität geprüft und gemeinsam weiterentwickelt werden können.“
Interoperabilität auf höchstem Level
Alexander Schanner, IHE Austria: „IHE – Integrating the Healthcare Enterprise garantiert Interoperabilität auf höchstem Level. Durch die Anwendung internationaler Standards ist der internationale Datenaustauch systemimmanent. Dies gewährleistet auch das Recht auf Datenaustauschbarkeit (Dataportability) wie dies in der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung gefordert wird. Damit kann auch ein Vendor Lockin vermieden werden und dadurch steht den Anwendern von Software sowie Medizintechnik eine Vielfalt von Produkten unterschiedlicher Hersteller zur Auswahl, was den Wettbewerb stärkt.
IHE vereint Anwendern und Hersteller von Software sowie Medizintechnik, die gemeinsam die Interoperabilitätsanforderungen in Form sogenannter IHE-Profile entwickeln und kostenfrei zur Verfügung stellen. Darüber hinaus stellt IHE auch Testwerkzeuge zur Verfügung und organisiert regelmäßig Testveranstaltungen wie IHE Connectathons oder auch den aktuellen ELGA Projectathon in Graz. Dieses Ereignis kann als Beschleuniger für e-Health betrachtet werden.“
Podiumsdiskussion und Fachpannel
Teil des Programms des ELGA Projectathons der IHE Austria ist auch eine Podiumsdiskussion, die am 16.09.2026 am Vormittag stattfand. Im Fokus standen zentrale Fragen rund um die digitale Transformation des österreichischen Gesundheitswesens und deren europäische Dimension. Inputs kamen dabei von Alexander Degelsegger (Gesundheitsministerium), Emanuel Helm (ELGA), Michael Koren (Gesundheitsfonds Steiermark), Herwig Loidl (IHE Austria) und Markus Pedevilla (KAGes).
Ein Expertengespräch / Fachpanel und Führungen für alle Interessierten runden das Programm ab. Am dritten Tag, dem 17.09.2026, werden die Ergebnisse des Projectathons präsentiert.
Der Nutzen der Interoperabilität für Patienten ist, dass ihre Daten von jeder Organisation gelesen und bearbeitet werden können, unabhängig davon, welches IT-System dieser Gesundheitsdienste Anbieter (GDA) verwendet.
Für die österreichische Industrie öffnen sich durch die internationale Standardisierung riesige Märkte. Einerseits der gesamte europäische Markt im Rahmen des Europäischen Gesundheitsdatenraum (European Health Data Space = EHDS) und durch die konsequente Anwendung internationaler Standards sogar der gesamte Weltmarkt.
Für das (öffentliche) Gesundheitswesen bietet sich durch eine gemeinsame Datenbasis die Möglichkeit, neue und moderne Strukturen mit neuen Modellen der Leistungserbringung aufzubauen, da die Daten immer dort verfügbar sind, wo auch die Patienten sind. Ein Nachfragen nach den notwendigen Daten und das Erfordernis des Nachsendens dieser gehört somit der Vergangenheit an. Ebenso werden damit Medienbrüche wie Ausdrucken der Befunde und anschließendes Einscannen vermieden.
Die Herstellung der Interoperabilität auf Basis der IHE-Methodik bietet also Vorteile für das gesamte Gesundheitswesen, vom Patienten über die Gesundheitsdienste-Anbieter bis hin zu Industrie.
Über IHE Austria
IHE steht für „Integrating the Healthcare Enterprise“ und ist eine weltweite Initiative zur Verbesserung des digitalen Datenaustauschs im Gesundheitswesen. Mit umfangreichen „Technical Frameworks“ bietet die IHE Anwendern und Entwicklern Leitfäden zur Implementierung von medizinischen IT Systemen auf Basis etablierter internationaler Standards. Durch konsequente Anwendung und aktive Mitarbeit bei der Verbesserung von internationalen Standards soll eine lückenlose Interoperabilität von IT Systemen in der Medizin erreicht werden, um die Qualität und Effizienz im Gesundheitswesen zu steigern.
IHE Austria setzt sich seit 2008 für die Anwendung der IHE-Standards im österreichischen Gesundheitswesen ein, arbeitet mit nationalen Institutionen zusammen und bringt nationale Anforderungen in die internationale Arbeit ein.
Ziel von IHE Austria ist es, die organisatorische und technische Umsetzung von E-Health-Anwendungen wie z.B. ELGA im österreichischen Gesundheitswesen zu unterstützen und aktiv mitzugestalten. IHE Austria ist eingebettet in die weltweit agierende Dachorganisation IHE International und IHE Europe. Zu den Mitgliedern von IHE Austria zählen sowohl Technologieanbieter als auch Gesundheitseinrichtungen, Gesundheitsdienstleister, öffentliche Stellen, Interessensvertretungen, Krankenhaus- und Versicherungsanstalten, Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie Studentinnen und Studenten sowie Privatpersonen.



