Mehr als „nur“ Essen zum satt werden

Gesundes und gutes Essen ist keine Frage des Zufalls, sondern das Ergebnis eines bewussten Qualitätsmanagements. GEMEINSAM G’SUND GENIESSEN unterstützt mit den Steirischen Mindeststandards in der Gemeinschaftsverpflegung dabei. Einrichtungen wie das Pflegeheim Zerlach zeigen, wie das Essen für die Bewohnerinnen und Bewohner mit externer Expertise erfolgreich weiterentwickelt werden kann.

„Heute stehen Hirselaibchen am Speiseplan? Hirse war ja früher Schweinefutter, das schmeckt mir sicher nicht.“ Mit solchen Vorurteilen war Jasmin Suppan, Leiterin des Pflegeheims Zerlach, öfter konfrontiert. Einfach „nur“ gesündere Gerichte auf den Speiseplan zu bringen, reicht daher nicht. Deshalb hat man im Pflegeheim Zerlach auf „unverbindliches Ausprobieren“ gesetzt. „Wir haben kleine Kostproben von den Hirselaibchen angeboten und das hat super funktioniert“, freut sich Suppan. „Das Feedback zu unserem weiterentwickelten Speisenangebot ist generell sehr gut.“

Bereits mehr als 270 Einrichtungen gefördert

Das Projekt wurde vom Gesundheitsfonds Steiermark gefördert und im Rahmen von GEMEINSAM G’SUND GENIESSEN umgesetzt. Rund 270 Einrichtungen wurden seit 2016 bereits gefördert und so mehr als 23.000 Menschen erreicht. Eine aktuelle Evaluierung zeigt, dass in mehr als 80 Prozent der geförderten Einrichtungen gesunde/nachhaltige Ernährung einen größeren bzw. teilweise größeren Stellenwert bekommen hat. Alle Einrichtungen mit Gemeinschaftsverpflegung (Pflegeheime, Schulen, Kindergärten etc.) können das kostenlose Angebot von GEMEINSAM G’SUND GENIESSEN (Checklisten, Musterspeisepläne etc.) nutzen. Nähere Infos: www.gemeinsam-geniessen.at.

Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl: „Gesundheitsvorsorge beginnt nicht im Krankenhaus, sondern im Alltag und damit auch am Teller. In der Gemeinschaftsverpflegung haben wir die Chance, täglich tausende Menschen mit hochwertigen Mahlzeiten zu erreichen. Projekte wie im Pflegeheim Zerlach zeigen, wie durch klare Standards, externe Expertise und engagierte Teams gesunde Ernährung nachhaltig verankert werden kann. Wer in Qualität, Regionalität und ausgewogene Speisepläne investiert, investiert direkt in Prävention, Lebensqualität und langfristige Gesundheit.“

Am Gruppenbild v.l. Thomas Zach (Vizebürgermeister Kirchbach-Zerlach), Diätologin Martina Fellner, Hausleitung Jasmin Suppan, Landesrat Karlheinz Kornhäusl, Irmgard Fuchs und Karin Meier und Nicole Suppan (Küchenteam), Barbara Derler (Pflegedienstleitung)

© Gesundheitsfonds/Photoworkers

Saisonalität und Qualität

Heimleiterin Suppan über die Motivation, das Projekt im Pflegeheim Zerlach umzusetzen: „Uns war der Experten-Blick von außen wichtig und wir wollten wissen, wo wir in Sachen gesunder Ernährung stehen und was wir noch verbessern können.“ Suppan hat selbst 9 Jahre in der Küche gearbeitet und leitet nun seit 2025 das Pflegeheim. Was konkret hat sich durch das Projekt verändern? „Wir haben zwei vegetarische Tage pro Woche eingeführt, wo vom Frühstück über das Mittagessen bis hin zum Abendessen vegetarisch gekocht wird.“ Mittags gibt es 3 Menüs zur Auswahl: an einem vegetarischen Tag sind das beispielsweise Kürbislaibchen, Krautstrudel und Topfenknödel. Regionalität und Saisonalität sind beim Einkauf wichtige Kriterien. „Natürlich müssen wir auch auf den Preis schauen, aber die Qualität und dass es unseren Bewohnerinnen und Bewohnern schmeckt sind uns am wichtigsten. Wir haben das große Glück, dass unser Vorstand da voll hinter uns steht“, so Suppan.

Gesundes Essen als Teamwork

Begleitet wurde das Pflegeheim Zerlach von Martina Fellner. Die Ernährungswissenschafterin erläutert den Ablauf eines GEMEINSAM G’SUND GENIESSEN-Förderungsprojekts. „Wir haben mit einem Workshop gestartet, in dem alle Abteilungen und auch Bewohnervertreter eingebunden waren. Nachdem der Status quo erhoben war, wurden die Checklisten zu den steirischen Mindeststandards gemeinsam durchgearbeitet und in Bereichen wie Einkauf oder Speiseplan optimiert.“ Im Pflegeheim Zerlach achtet man nun beispielsweise darauf, dass das gesündere Raps- statt Sonnenblumenöl verwendet wird und dass beim Mittagessen immer eine Gemüse-Portion dabei ist. Auch sind Thementage wie ein „Italienischer Tag“ geplant. „Es waren wirklich alle mit Eifer dabei, ich habe selten so ein motiviertes Team gesehen“, freut sich Martina Fellner.