Maßnahmen gegen den Ärztemangel
Gesetzliche Rahmenbedingungen und der zunehmende Wunsch nach Teilzeitbeschäftigung führen dazu, dass Stellen für Ärztinnen und Ärzte in Krankenanstalten und § 2-Kassenstellen längere Zeit unbesetzt bleiben. Um den Ärztemangel zu bekämpfen, werden laufend Maßnahmen umgesetzt. Die Attraktivierung des Berufsbildes Arzt bzw. Ärztin für Allgemeinmedizin zählt ebenso dazu wie zusätzliche Ausbildungsstellen in Mangelfächern sowie Stipendien- und Förderungsprogramme.
Stipendien an der Med Uni Graz und der SFU
An einigen Krankenhausabteilungen in der Steiermark bestehen Engpässe an ärztlichen Mitarbeitenden, die die Aufrechterhaltung eines Betriebes 24/7 erschweren bzw. verunmöglichen. Nicht selten mangelt es, um den Dienstbetrieb in der Nacht aufrechterhalten zu können, an Beidienstleistenden Ärztinnen und Ärzten bzw. Sekundarärztinnen und -ärzten. Studierende im klinisch-praktischen Jahr (KPJ) können bereits unter Anleitung und Aufsicht für im Beidienst zu leistende Tätigkeiten herangezogen werden.
Zur Abfederung der bestehenden Mangelsituation wurden 2022 zusätzliche Maßnahmen für Studierende an der Medizinischen Universität Graz beschlossen. Diese sehen zwei Stipendienmodelle vor:
- 1. Modell: Stipendium ab dem 2. Studienabschnitt für ein bis vier Jahre – monatlich 950 Euro brutto
- 2. Modell: Stipendium ab Beginn KPJ für max. 12 Monate – monatlich 2.200 Euro brutto
Im Stipendienprogramm an der Med Uni Graz nehmen 22 Studierende teil, die Gesamt-Kosten dafür (2022/23 bis 2030/31) betragen rund € 730.600,00.
Zusätzlich werden Stipendien an der Sigmund Freud Privatuniversität (SFU) finanziert. Das Kontingent für das Stipendienprogramm an der SFU ist voll ausgeschöpft. Derzeit (Stand April 2026) laufen 64 Stipendien.
Zusätzliche Ausbildungsstellen in Mangelfächern
Die kinder- und jugendfachärztliche Versorgung in der Steiermark stellt sowohl im niedergelassenen Bereich als auch in den Krankenanstalten zunehmend eine Herausforderung dar. Diese wird sich aufgrund der Altersstruktur der Fachärztinnen und -ärzte für Kinder- und Jugendheilkunde in den nächsten Jahren noch verschärfen. Insbesondere in der Obersteiermark ist es schwierig, Kinder- und Jugendfachärztinnen und -ärzte für den niedergelassenen Bereich zu finden. Um Engpässe zu vermeiden und die entsprechenden Zielsetzungen laut RSG-St 2025 erreichen zu können, wurde 2019 die Finanzierung von
- sechs zusätzlichen Ausbildungsstellen
für Turnusärztinnen und -ärzte zum Facharzt bzw. zur Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde am LKH Hochsteiermark, Standort Leoben, beschlossen. Seit dem Jahr 2021 sind alle sechs Stellen stabil besetzt.
Steigender Bedarf an Fachärztinnen und -ärzten besteht ebenfalls in den psychiatrischen Sonderfächern. Dies ist einerseits durch die im Rahmen des RSG-St 2025 geplante Regionalisierung des stationären Versorgungsangebots und andererseits durch die Folgen der Pandemie bedingt. Insbesondere für die psychiatrische Versorgung von Kindern- und Jugendlichen ist es häufig schwierig, Ärztinnen und Ärzte zu finden. Im Jahr 2022 wurde daher die Finanzierung von
- zehn zusätzlichen Ausbildungsstellen
für Fachärztinnen und -ärzte in den psychiatrischen Sonderfächern beschlossen. Dieser Ausbildungsplan wird seit 2023 umgesetzt. Damit die zusätzlich investierten Mittel auch Wirkung zeigen, müssen sich alle Turnusärztinnen und -ärzte, die auf den zusätzlichen Stellen ausgebildet werden, für eine definierte Zeit verpflichten, in der Steiermark tätig zu sein.

Projekt „Attraktivierung Ärzteausbildung“
Seit 2019 finanziert der Gesundheitsfonds Steiermark ein Maßnahmenbündel zur Attraktivierung des Berufes Arzt bzw. Ärztin für Allgemeinmedizin. Dieses wird vom Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung (IAMEV) der Medizinischen Universität Graz umgesetzt und laufend weiterentwickelt. Zu den Maßnahmen zählen:
1. Projektteil: Allgemeinmedizin, die 1. Wahl
- Prä- und postgraduales Mentoring
- Wahlfächer „Einblicke i. d. AM“ und „Research Cafe“
- „LandarztZUKUNFT“ (in Liezen und im Murtal) – Famulaturen und KPJ
- Treffen „Case Cafe“, „AM to Go“
- Weiterbildung „Vielfalt Allgemeinmedizin“, „Fit für die Praxis“
2. Projektteil: Chronikerversorgung (in Gesundheitszentren)
3. Projektteil seit 2024: Ausbildung in spezifischen Untersuchungstechniken (Ultraschall)
Die Förderung des Projekts ist vorerst bis Ende 2026 beschlossen. Schwerpunkte liegen dabei u. a. in folgenden Bereichen:
Ausbildung in Lehrpraxen und weitere Projekte
Mit der Ärzteausbildungsordnung 2015 wurde die verpflichtende Ausbildung in Lehrpraxen beschlossen. Diese wird anteilig durch Bund, Länder, Sozialversicherung und Lehrpraxis-Inhaber finanziert. In der Steiermark stehen etwa 100 Lehrpraxen zur Verfügung, und es wurden seit Beginn der Umsetzung Mitte 2018 haben in Summe 343 Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin ihre Ausbildung in der Lehrpraxis absolviert (Stand März 2025); seit 2020 sind es durchschnittlich 61 pro Jahr.
Zusätzlich werden in der Steiermark bereits seit mehreren Jahren Fortbildungsformate abgehalten, um jungen Ärztinnen und Ärzten die Tätigkeit als Ärztin bzw. Arzt für Allgemeinmedizin näherzubringen. Diese umfassen postgraduale Mentoring-Programme „Allgemeinmedizin to go“ und „Fit für die Praxis“, die Weiterbildung „Vielfalt Allgemeinmedizin“ sowie Einzelmentorings und Gruppensupervisionen. Damit konnten im Jahr 2022 in Summe etwa 750 junge Ärztinnen erreicht und Ärzte erreicht werden.

Maßnahmen gegen den Zahnarzt-Mangel
Kassenstellen für Zahnärztinnen und -ärzte können vor allem in ländlichen Regionen zunehmend schwieriger besetzt werden. Damit die Pensionierungswelle in den nächsten Jahren den Mangel nicht weiter verstärkt, werden bereits jetzt Maßnahmen gesetzt. Im Juni 2023 hat die Gesundheitsplattform Steiermark dazu ein umfassendes Maßnahmenbündel beschlossen:
Simulationsrechnungen zur Planung des Ärztebedarfs
Seitens des BMSGPK wurden 2018 erste Arbeiten zur Berechnung eines zukünftigen Bedarfs an Ärztinnen und Ärzten durchgeführt. Diese Arbeiten fokussierten auf die Frage, ob der pensionsbedingte Abgang an Ärztinnen und Ärzten durch die Studierenden und Turnusärztinnen sowie -ärzte ausgeglichen werden kann. Dieser Ansatz unterschied nur zwischen Fachärztinnen und -ärzten gesamt und Ärztinnen bzw. Ärzten für Allgemeinmedizin.
Der Gesundheitsfonds Steiermark hat 2022 begonnen, ein eigenes Simulationsmodell aufzubauen, um den künftigen Ärzte-Bedarf in den jeweiligen Fachrichtungen besser abzuschätzen. In diesem werden die Ziele des RSG-St 2025 sowie des neuen RSG-St 2030 genauso berücksichtigt wie weitere Rahmenbedingungen, die die Zahl der Ärztinnen und Ärzte beeinflussen.
