Erfahrungsaustausch Aktion Saubere Hände
Zum jährlichen Erfahrungsaustausch trafen sich die Mitglieder der „Aktion Saubere Hände“ am 8. Oktober im Steiermarkhof in Graz.
Die Themen der Fachvorträge reichten von Vancomycin-resistenten Enterokokken über Händehygiene im Rettungsdienst und die indikationsgerechte Verwendung von Einmalschutzhandschuhen bis hin zur Wäscheversorgung am LKH-Univ. Klinikum Graz (KAGes). Zahlreiche Praxisbeiträge aus unterschiedlichen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen rundeten das Programm ab.

v.l. Michael Kazianschütz und Gabriele Maierhofer (KAGes), Muna Paier-Abuzahra und Katrin Stimnicker-Schöberl (Gesundheitsfonds) und Klaus Vander (Med Uni Graz / KAGes)
© Gesundheitsfonds Steiermark
Von „klassisch-weiß“ zu bunten Farbtönen
„Ganz hoch im Kurs steht magenta“, gibt Michael Kazianschütz, einen Einblick in den „Farb-Highscore“ der Dienstbekleidung. Gemeinsam mit Gabriele Maierhofer, Betriebsdirektorin des Instituts für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie, erläuterte der Bereichsleiter Wirtschaft / Logistik & Leiter Stabsstelle Supply Chain Management des LKH-Univ. Klinikums Graz beim Erfahrungsaustausch den Umstieg des Krankenhauses von der „klassisch weißen“ personalisierten Dienstbekleidung auf eine ganze Palette an Farben – von orange über gelb bis hin zu magenta. Alles eher helle Farbtöne, damit Kontaminationen (etwa mit Blut) gut sichtbar sind.
Tragekomfort deutlich gestiegen
Die Farben sind aber „nur“ das optische Erkennungsmerkmal und bei Weitem nicht die einzige Veränderung, die mit dem bereits vor 2020 gestarteten Prozess einherging. „Qualität und Tragekomfort sind deutlich gestiegen und dadurch zwangsläufig auch der Einkaufspreis pro Stück. Da wir in Summe aber deutlich weniger Kleidung im Umlauf haben, konnten wir die Gesamtkosten sogar senken“, betont Kazianschütz. Früher war es defacto so, dass bis zu 20 Kleidungsstücke pro Mitarbeitenden auf einmal ausgefasst wurden – alle mit einem Namensschild und eingefächert in die persönlichen Spinte. Heute gibt es sechs Ausgaberäume, in denen sich die Mitarbeitenden die Kleidungsstücke (inkl. Farbe) selbst aussuchen und bis zu drei Oberteile und drei Hosen auf einmal mitnehmen können. Für alle Hierarchieebenen – egal ob ärztlicher- bzw. Pflegebereich oder Reinigungskraft – gibt es dieselbe Kleidung. Der ganze Aufwand für die Personalisierung fällt daher weg und außerdem ist es ein Zeichen der Wertschätzung für alle Mitarbeitenden, wenn es keine „hierarchischen Kleidungsunterschiede“ gibt.
Jedes Kleidungsstück ist mit einem passiven RFID-Tag ausgestattet. Der „passive“ Tag kann nur von Lesegeräten ausgelesen werden kann. Solche befinden sich bei den Ausgängen zu den Bekleidungsräumen, um nachvollziehen zu können, welche Kleidungsstücke sich im Umlauf befinden.
Einmalschutzhandschuhe richtig verwenden
Einem ganz speziellen „Kleidungsstück“ im Klinikalltag widmete sich Renate Skerjanetz vom LKH-Univ. Klinikum Graz in ihrem Vortrag. Ihr Thema war die indikationsgerechte Verwendung von Einmalschutzhandschuhen – „für Gesundheitspersonal ja eigentlich ‚ganz was Normales‘“. Dennoch gibt es zahlreiche Fallstricke. „Studien zeigen, dass die Handschuhe häufig zu früh angelegt und zu lange getragen werden“, weiß die Expertin. „Das passiert meist aus der guten Absicht, dass sich die Mitarbeiterin bzw. der Mitarbeiter schützen möchte. Oder auch, weil die Handschuhe nicht überall verfügbar sind.“
Wichtig ist es, sich vor dem Anziehen der Handschuhe die Hände zu desinfizieren. Sonst kann es bereits zu Kontaminationen beim Herausnehmen der Handschuhe aus der Verpackung kommen.
Ein weiteres zentrales Thema sind die Indikationen, die klar geregelt sind – u. a. Schutz vor Kontamination mit Blut, Sekreten und Exkreten. „Häufig ziehen sich Mitarbeitende, aber auch bei Kontakt mit Haut, etwa beim Leitung legen, Handschuhe an. Hier wäre das Desinfizieren der Hände aber die bessere Maßnahme“, so Skerjanetz. Ihr Anliegen ist es, für eine indikationsgerechte Verwendung der Handschuhe zu sensibilisieren, da diese sowohl dem Mitarbeiterschutz als auch der Patientensicherheit diene.
Vancomycin-resistenten Enterokokken (VRE)
Enterokokken sind Teil des normalen Darmmikrobioms, sie sind fakultativ pathogen und können nosokomiale Infektionen verursachen. Auf dieses Thema ging Klaus Vander vom Institut für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie KAGes in seinem Vortrag ein. Unter den Enterokokken können verschiedene Resistenzen auftreten. Einerseits Intrinsische/natürliche Resistenzen, andererseits erworbene Resistenzen, z.B. gegen Vancomycin und/oder Teicoplanin. „In den letzten Jahren ist es zu einem Anstieg der Resistenzentwicklung gegenüber Vancomycin gekommen“, betonte der Experte und ging auf die daraus resultierenden Herausforderungen ein:
Enterokokken
- weisen eine hohe Umweltpersistenz auf
- sind Teil des normalen Darmmikrobioms: Mischflora vs. pathogenetische Bedeutung?
- exprimieren die genetische Resistenz in phänotypischen Testungen nicht eindeutig: z.B. Genotyp (VanB) – niedrige Expression – Resistenztestung unauffällig/nicht eindeutig (daher molekularbiologische Resistenzgenbestimmung notwendig)
- weisen eingeschränkte Therapieoptionen auf
Daher ist es ein Ziel der Krankenhaushygiene, die Ausbreitung von VRE so weit als möglich einzudämmen und Übertragungen/Infektionen zu verhindern. Dazu werden folgende Maßnahmenbündel umgesetzt:
- Screening
- Hygienemaßnahmen (Standardhygiene, Kontaktisolierung, intensivierte Reinigung und Desinfektion, ggf. H2O2 Verneblung)
- Dekolonisierung