Gesundheitswissen verständlich weitergeben
Welche Unterstützungsangebote gibt es bei psychischen Belastungen? Wie funktioniert das Gesundheitssystem? Im Projekt „Gesund informiert“-Lotsinnen und Lotsen werden Menschen aus sozioökonomisch schwachen Gruppen ausgebildet, um ihr Wissen in ihrem Umfeld weiterzugeben. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitskompetenz in der Steiermark und trafen sich am 22. Mai zu einer Schulung in Graz.
„Die psychische Gesundheit wird in der Gesellschaft leider nach wie vor tabuisiert“, ist Alexandra Kohlhammer-Dohr überzeugt. Die Oberärztin an der Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des LKH-Univ.-Klinikums Graz setzt sich dafür ein, das Thema sichtbar zu machen und schult deshalb „Gesund informiert“-Lotsinnen und Lotsen. „Ich möchte dazu motivieren, sich Unterstützung zu holen, wenn es einem schlecht geht und das Wissen über psychische Erkrankungen auch weiterzutragen“, so die Psychiaterin.
Am 22. Mai 2026 hielt sie eine Schulung für 24 „Gesund informiert“-Lotsinnen und Lotsen in der Landesstelle Steiermark der Österreichischen Gesundheitskasse ab.
Projektleiterin Petra Wielender vom Gesundheitsfonds Steiermark über das Projekt „Gesund informiert“-Lotsinnen und Lotsen: „Menschen mit einem niedrigen sozioökonomischen Status sind durch klassische Bildungs- und Gesundheitsförderungsangebote nicht oder nur sehr schwer zu erreichen. Aufgrund dieser Herausforderung ist uns eine niederschwellige und partizipative Wissensvermittlung sehr wichtig. Die Lotsinnen und Lotsen sind in ihrem Lebensumfeld gut vernetzt und geben ihr Wissen auf Deutsch und in vielen anderen Sprachen weiter.“
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Lotsinnen und Lotsen geben Gesundheitswissen weiter.
Mehr als 30 Lotsinnen und Lotsen wurden im Rahmen des Projekts in den letzten Jahren bereits ausgebildet, sie sind in acht steirischen Bezirken tätig. Kooperationspartner sind dabei die Vereine Frauenservice Graz, Innova, Novum, Freiraum, Akzente und Ikemba. Schulungen werden zu acht verschiedenen Themen angeboten (u. a. Gesundheitssystem, Sozialversicherung, Eltern-Kind-Pass, psychische Gesundheit).
Hilfe zur Selbsthilfe
Bei der Schulung am 22. Mai 2026 in Graz gab Psychiaterin Kohlhammer-Dohr einen Einblick in das breite Feld der psychischen Gesundheit: Was kann ich tun, damit ich psychisch gesund bleibe? Welche Rolle spielen soziale Beziehungen? Was bedeutet Stress und wie gehe ich damit um? Welche unterschiedlichen Störungsbilder – von Depressionen über Essstörungen bis hin zu posttraumatischen Belastungsstörungen – gibt es? Welche Therapien gibt es? Und ganz wichtig: Wohin kann ich mich wenden, wenn ich selbst oder eine Person aus meinem Umfeld Unterstützung benötigt?
In der Steiermark gibt es ein dichtes Netz an Unterstützungsangeboten für die psychische Gesundheit. In allen Bezirken stehen Beratungsstellen bzw. psychosoziale Ambulatorien zur Verfügung, siehe www.plattformpsyche.at.
Praxisnahes Wissen
Kohlhammer-Dohr ist es sehr wichtig, dass das Wissen rund um die psychische Gesundheit weitergetragen wird. „Ich vermittle das Wissen sehr niederschwellig und praxisnah, damit die ‚Gesund informiert‘-Lotsinnen und Lotsen die Inhalte auch gut verstehen und in ihrem persönlichen Umfeld weitertragen können“, so die Psychiaterin. Gerade bei Menschen mit Migrationshintergrund ist diese Wissensweitergabe innerhalb der Communitys eine sehr wirksame Möglichkeit, um die Gesundheitskompetenz zu stärken. „Und vor allem bei psychischen Erkrankungen gilt: Darüber reden ist immer besser, als zu schweigen.“
Gesundheitswissen im sozialen Umfeld weitergeben
Großen Wert legt Kohlhammer-Dohr in der Schulung auch darauf, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein Verständnis für die Einheit von Psyche und Körper zu vermitteln. „Psyche und Körper beeinflussen sich gegenseitig, das kann man nicht getrennt betrachten.“ Mit gesunder Ernährung und Bewegung hat man beispielsweise wichtige Ressourcen, mit denen man sowohl dem Körper, als auch der Psyche etwas Gutes tun kann. „Und ein ganz wichtiger Faktor sind auch die sozialen Beziehungen“, steht für Kohlhammer-Dohr außer Frage. Umso wichtiger daher, die sozialen Beziehungen auch zum Austausch von Gesundheitswissen zu nutzen, wie es über die „Gesund informiert“-Lotsinnen und Lotsen passiert.
Über die „Gesund informiert“-Lotsinnen und Lotsen
Die Lotsinnen und Lotsen sind Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen aus sozioökonomisch schwachen und bildungsfernen Bevölkerungsgruppen. Sie wurden und werden zu Gesundheitsthemen geschult und organisieren dann eigenständig Gesprächsrunden oder Informationsveranstaltungen. Dabei geben sie ihr Wissen in ihren Communities, Familien und Freundeskreisen weiter. So helfen sie, Hindernisse abzubauen, den Zugang zu Gesundheitsinformationen für viele Menschen zu erleichtern und die Gesundheitskompetenz zu stärken.








