Damit Menschen mit Demenz möglichst lange zuhause leben können
Beim Projekt „Tandem“ werden Menschen mit Demenz auf dem Weg vom Krankenhaus zurück nach Hause begleitet. Das vom Gesundheitsfonds Steiermark finanzierte und von den Elisabethinen sowie dem Netzwerk Demenz Steiermark (needs) umgesetzte Projekt ist damit ein wesentlicher Schritt, um den Übergang vom Krankenhaus nach Hause zu erleichtern und eine möglichst lange Versorgung im eigenen Zuhause zu ermöglichen – und damit sowohl Krankenhäuser als auch Angehörige zu entlasten.
Vom Krankenhaus wieder nach Hause zu können, weil ein akutes medizinisches Problem gelöst ist, ist grundsätzlich ein freudiger Anlass. Für Menschen mit Demenz kann damit aber eine große Herausforderung verbunden sein – und häufig auch ein „Drehtür-Effekt“, d.h. eine Wiederaufnahme im Krankenhaus oder in einem Pflegeheim. Genau hier setzt das Projekt „Tandem“ an, das seit 2025 von den Elisabethinen in Kooperation mit needs – Netzwerk Demenz Steiermark umgesetzt und vom Gesundheitsfonds Steiermark finanziert wird.
Projekt „Tandem“: Versorgung zuhause gut organisieren
„Wir schließen die Schnittstelle zwischen dem Aufenthalt im Krankenhaus und den Versorgungsangeboten im häuslichen Umfeld“, erläutert Primar Peter Hlade. Der Vorstand der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie des Krankenhauses der Elisabthinen hatte die Idee zu dem Projekt „Tandem“, das in dieser Form österreichweit einzigartig ist. „Gerade bei Menschen mit Demenz ist es immens wichtig, dass die Versorgung zuhause gut organisiert wird. Mit einer persönlichen Begleitung ist das natürlich deutlich einfacher“, betont Hlade.
Das Projekt „Tandem“ ist eng an das Entlassungsmanagement und damit an das Team der Sozialen Arbeit angebunden.
Die Tandem-Nurses Klaudia Köck-Schreiner und Martina Doppler unterstützen Menschen mit Demenz beim Übergang vom Krankenhaus zum möglichst selbstständigen Leben in den eigenen vier Wänden.
© Elisabethinen
Gesundheitssystem nachhaltig stärken
Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl: „Die Steiermark setzt mit dem Projekt ‚Tandem‘ ein starkes Zeichen für eine moderne Demenzversorgung und übernimmt österreichweit eine Vorreiterrolle. Das innovative Projekt hilft nicht nur den Betroffenen und ihren Angehörigen, sondern trägt auch dazu bei, Krankenhäuser und Pflegeheime zu entlasten. Genau solche vernetzten Lösungen brauchen wir, um unser Gesundheitssystem nachhaltig zu stärken.“
Beatrice Erker und Josef Harb, Vorsitzende des Landesstellenausschusses der Österreichischen Gesundheitskasse in der Steiermark, begrüßen das Projekt „Tandem“ als wichtigen Beitrag zur besseren Versorgung von Menschen mit Demenz: „Diese Initiative zeigt eindrucksvoll, wie es durch gute Vernetzung und persönliche Begleitung gelingt, Sicherheit für Betroffene zu schaffen und Angehörige spürbar zu entlasten. Als Österreichische Gesundheitskasse ist es uns ein großes Anliegen, dass Patientinnen und Patienten möglichst lange selbstbestimmt in ihrem gewohnten Umfeld leben können. Projekte wie ‚Tandem‘ sind ein wichtiger Schritt hin zu einer modernen, integrierten Versorgung, in der medizinische, pflegerische und soziale Angebote optimal ineinandergreifen.“
Persönlicher Kontakt bereits im Krankenhaus
Die persönliche Begleitung der Betroffenen erfolgt beim Projekt „Tandem“ über die sogenannten „Tandem Nurses“. Die Pflegefachkräfte unterstützen bereits während des Krankenhausaufenthalts, führen Gespräche, klären offene Fragen und bereiten gemeinsam mit den Betroffenen und ihren Angehörigen die Rückkehr nach Hause vor. Nach der Entlassung erfolgen – je nach Bedarf – Hausbesuche über einen Zeitraum von bis zu vier Wochen. Dabei helfen die Pflegekräfte bei pflegerischen Aufgaben, geben Orientierung zu Medikamenten, informieren über Demenz und bieten Entlastungsgespräche für Angehörige an. Zusätzlich unterstützen sie bei der Organisation weiterer Hilfsangebote (siehe www.wegweiser-demenz-steiermark.at) und geben Tipps zu Gesundheit und Vorbeugung.
© Elisabethinen
Vertrauen zu den „Tandem Nurses“
Ein Erfolgsfaktor ist hier das Vertrauen zwischen den Betroffenen und den „Tandem Nurses“, das durch die Begleitung über das Krankenhaus hinaus entsteht. „Tandem Nurse“ Klaudia Köck-Schreiner erläutert dies anhand eines Beispiels aus der Praxis: „Wir haben kürzlich einen 92-jährigen Patienten begleitet, der alleine lebt und anfangs die Hauskrankenpflege abgelehnt hat. Durch persönliche Gespräche konnten wir ‚Tandem Nurses‘ Vertrauen aufbauen und letzten Endes auch Türöffner sein, damit der Patient die Hilfsangebote zulässt.“
Lebenswertes „Zuhause Sein“
„Es macht natürlich einen großen Unterschied, ob eine fremde Person an der Tür läutet oder eine, die man bereits aus dem Krankenhaus kennt“, bestätigt auch Hlade. Das Ziel des Projekts ist es keineswegs, andere Dienste zu ersetzen, sondern den Übergang zu diesen zu erleichtern. „Unser oberstes Ziel ist es, Betroffenen ein möglichst langes lebenswertes ‚Zuhause Sein‘ zu ermöglichen.“
66 Betroffene wurden seit Projektstart im Juni 2025 bereits betreut, derzeit sind 11 Betroffene in Betreuung und die Nachfrage ist groß. Die Teilnahme am Projekt erfolgt freiwillig und beginnt mit einer schriftlichen Zustimmung.
100 Prozent Weiterempfehlung
Die Erfahrungen mit dem Projekt sind überaus positiv, bestätigt auch Peter Rosegger, Geschäftsführer von needs – Netzwerk Demenz Steiermark. „Eine Evaluierung aus dem letzten Jahr zeigt, dass 100 Prozent der Teilnehmenden das Projekt ‚Tandem‘ weiterempfehlen würden.“ Gestartet wurde im letzten Jahr mit dem Standort Eggenberg der Elisabethinen, heuer ist zusätzlich der Standort Elisabethinergasse eingeschlossen.
Ehrenamtliche gesucht!
Auch Ehrenamtliche werden für das Projekt gesucht, erläutert „Tandem Nurse“ Martina Doppler. „Die Ehrenamtlichen unterstützen uns in der Arbeit mit den Betroffenen, etwa durch gemeinsame Spaziergänge und Alltagsbegleitung.“ Nähere Infos …
Gemeinsam Probleme lösen
Demenz ist eine schwere Erkrankung. Dennoch ist eine positive Haltung wichtig, ist Peter Rosegger überzeugt. „Wir wollen Betroffenen und ihren Angehörigen helfen und Probleme lösen – einfach gemeinsam schauen, dass das ‚Werkl rennt‘“, bringt Rosegger den Kern des Projekts „Tandem“ und auch die Arbeit des vom Gesundheitsfonds Steiermark finanzierten needs – Netzwerk Demenz Steiermark auf den Punkt.

