Ideensammlung Betriebskantine und Automaten

Essen und Trinken als Teil der Unternehmenskultur

Die Bedeutung von Kantinen, Snackpoints oder Pausenräumen darf im Unternehmen nicht unterschätzt werden. Kein Ort zeigt besser, wie der Umgang mit den Mitarbeiter*innen wirklich ist bzw. ist die Kantine oft Schaufläche der Corporate Identity.

Wichtig ist es deshalb nicht nur, dass der Mittagstisch und die Automaten optimiert werden, sondern dass gesundheitsförderliches Essen und Trinken als Teil der Unternehmenskultur bzw. als Teil der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) verankert wird.

Die folgenden Informationen sind deshalb insbesondere für Betriebsleiter*innen, Betriebsrät*innen sowie  BGF-Verantwortliche gedacht. Nur durch ein Zusammenspiel unterschiedlicher Personen kann eine gute Betriebsverpflegung gelebt werden!

Gesunde Ernährung in der Gemeinschaftsverpflegung (Sujetbild)

Essen und Trinken als Teil der Unternehmenskultur – Verpflegungsleitbild

Eine gute Verpflegung, die alle zufriedenstellt, muss viele unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigen. Damit dieser Balanceakt gut funktionieren kann, braucht es schriftliche Rahmenbedingungen (z. B. ein Verpflegungs-Leitbild) und im besten Fall auch einen fest installierten Verpflegungs-Ausschuss.
  • Ein schriftliches Verpflegungsleitbild, passend zum Betriebsleitbild, ist wichtig für die interne Kommunikation an Mitarbeiter*innen. Es kann dazu beitragen die Zufriedenheit mit den betrieblichen Rahmenbedingungen zu erhöhen bzw. schafft Möglichkeiten zur weiteren Identifikation mit dem Arbeitsplatz (z. B. wenn dem Betrieb der Einkauf von regionalen Bio-Lebensmitteln besonders wichtig ist). Ein Verpflegungsleitbild, das auf der Website kommuniziert wird, kann aber auch einen Beitrag für einen positiveren Außenauftritt leisten. Denn wir alle müssen essen und trinken und was wir essen und trinken hat einen bedeutenden Einfluss auf Gesundheit und Klima. Gesellschaftspolitische Themen, die uns alle wichtig sind.

Verpflegungsleitbild wie auch Verpflegungskonzept können darüber hinaus Basis für Betriebsvereinbarungen in Hinblick auf die Verpflegung sein. (Beispiel aus Deutschland)

Werte in Hinblick auf Essen und Trinken

  • Was sind Ihre grundsätzlichen Werte? Ist Ihnen ein saisonales und regionales Angebot wichtig, dass auch gesundheitsförderlich und nachhaltig ist? Definieren Sie das gleich zu Beginn. Hier können Sie auch auf das Thema Müllvermeidung eingehen, oder ob Ihr Betrieb sich z. B. speziell dem Thema Fairtrade widmet.

Getränkeangebot

  • Was wird im eventuellen Automaten angeboten (und was nicht)?
  • Ist Leitungswasser das Getränk Nr. 1 ?

Frühstücksangebot/Zwischenmahlzeiten

  • In Ihren Automaten gibt es nur optimierte Getränke mit keinem oder wenig Zucker. Perfekt! Halten Sie es im Leitbild fest!
  • Auch das empfohlene wiederkehrende Ausfüllen der Jausen- bzw. Automaten-Checklisten zu den steirischen Mindeststandards (1x pro Jahr) kann man im Verpflegungskonzept als Teil des Qualitätsmanagements festhalten

Mittagsverpflegung (mit einem Beispielspeiseplan, inkl. Abrechnungsbeispiel)

  • Sie bieten täglich 2 Mittag-Essen zur Auswahl an, die aus Vorspeise und Hauptspeise oder Hauptspeise und Nachspeise besteht, welche auch den steirischen Mindeststandards in der Gemeinschaftsverpflegung entsprechen? Super! Halten Sie es hier fest! Denken Sie bitte daran, dass – auch wenn Sie nur 1 Mittag-Essen anbieten,  ein ovo-lakto-vegetarisches Gericht immer angeboten werden muss, wenn die Nachfrage besteht. Grundsätzlich sollte Fleisch und Wurst mit Zurückhaltung angeboten werden.

Bei 5-Tagen kann das z. B. in Bezug auf das Hauptgericht  pro Menülinie heißen:

    • Mindestens 2-3 x/Woche ein vegetarisches Gericht, davon maximal 1x/Woche eine  Süßspeise
    • Maximal 2-3/Woche ein Gericht mit Fleisch oder Fisch, davon mindestens 1x/Woche ein  Gericht mit geringem Fleischanteil
    • Täglich Gemüse zusätzlich zum Salat.
    • Salat mindestens 2-3x/Woche
  • Was kostet bei Ihnen ein Mittagessen und wie kann man es bestellen und abrechnen? Wird vielleicht die gesündere Speise von der Unternehmungsleitung subventioniert bzw. gibt es eine allgemeine Essenszulage?
  • Auch das empfohlene wiederkehrende Ausfüllen der Mittagessen-Checklisten zu den steirischen Mindeststandards (1x pro Jahr) kann man im Verpflegungskonzept als Teil des Qualitätsmanagements festhalten

Die Erstellung eines Verpflegungsleitbildes / eines Verpflegungskonzeptes kann in einer kleinen Arbeitsgruppe erfolgen. Im besten Fall wird es aber dann im Verpflegungsausschuss abgestimmt.

Ein Verpflegungsausschuss bzw. ein runder Tisch zum Thema Verpflegung sollte regelmäßig  durchgeführt werden.

Folgende Beteiligte können am Verpflegungsausschuss teilnehmen:

Vertreter*innen

  • der Betriebsleitung,
  • der Betriebsgastronomie,
  • des Personal-/Betriebsrats und
  • der Betrieblichen Gesundheitsförderung bzw. des Betrieblichen Gesundheitsmanagements

Gut zu wissen: Sind Sie in der Planungsphase Ihrer Verpflegung bzw. haben Sie einen Umbau vor sich? Dann holen Sie zusätzlich zu den angeführten Akteur*innen auch noch Architekt*innen, Fachplaner*innen für Küchen sowie Hausmeister*innen dazu. Diskutieren Sie z. B. die Frage der Zulieferung oder der Abzugsgebläse und der Lagerkapazität. Beziehen Sie auch frühzeitig die Lebensmittelüberwachung in Ihre Planung ein. Sie gibt wertvolle Hinweise, wie im Sinne der Lebensmittelsicherheit viele Gefahren von Anfang an verhindert werden können.

Im Handbuch zur Implementierung der steirischen Mindeststandards wird genau beschrieben, wie ein Verpflegungskonzept/-leitbild entstehen kann. Darüber hinaus werden zwei spezifische Beispiele gegeben.

Siehe:

Handbuch-GGG-Gemeinsam-Essen.pdf (gesundheitsfonds-steiermark.at) (Seite 20-25)

Kunterbunte Ideen aus der Praxis

Im Folgenden werden „geschmackvolle“ Vorschläge und Ideen aufgelistet. Vielleicht ist auch für Sie eine passende neue Idee dabei! Natürlich ist die Umsetzung immer auf Ihre individuelle Einrichtungssituation anzupassen.

Obstkörbe zur freien Entnahme sind in vielen Betrieben Standard. Diese Obstkörbe könnten auch durch Gemüse ergänzt werden. Manche Betriebe organisieren auch die Anlieferung von Obst- und Gemüsekisten, die von regionalen (bäuerlichen) Betrieben zugestellt werden.

  • Möglichkeiten zum Bestellen von Obst- und Gemüsekisterl werden beispielsweise auf der Website der Umweltberatung aufgelistet.
  • Auch per Post können Obst- und Gemüsekisterl bestellt werden. Beispielsweise hier.

In jedem Betrieb werden Besprechungen durchgeführt. Beginnen Sie hier mit gesundheitsförderlichen Maßnahmen und führen Sie beispielsweise ein, dass bei jeder Besprechung immer eingeschenktes Wasser am Tisch steht.

Mehr Tipps und Informationen erfahren Sie hier: Leitfaden „GEMEINSAM G´SUND GENIESSEN bei Veranstaltungen.

Bestellmöglichkeiten Catering

Liste von Catering-Firmen in der Steiermark, die ein nachhaltiges Catering anbieten können: Infothek Green Events

Optimiert werden kann immer! Ob nun beim Einkauf, bei der Ausspeisung oder bei der Kommunikation. Und es zahlt sich jedenfalls aus, denn die Qualität von Essen und Trinken ist für die Zufriedenheit der Mitarbeiter*innen sehr wichtig.

Beispiele:

  • nice Shops GmbH:  Die Betriebskantine wird nach dem Slow Food Prinzip betrieben. In der Küche werden fast ausschließlich regionale Produkte in Bio-Qualität verarbeitet. Zudem sind 50 % der Menüs für die Mitarbeiter*innen vegetarisch. Quelle
  • Magna GmbH: Die Kantine ist mit dem Label  Grüne Küche von Styria vitalis ausgezeichnet. Quelle
  • Betriebskantinen in Eigenregie oder Caterer, die viele vegane Speisen anbieten. Teilweise bis zu 35 % der Speisen. Quelle
  • Eine Gewerkschaftsbroschüre gewährt darüber hinaus Einblick – insbesondere in die Verpflegung von Schichtbetrieben: „Essensreport: 24 Stunden genussvoll FAIR Essen im Betrieb. Praxisbeispiele aus der Betriebsverpflegung​​“.

Darüber hinaus:

Bei der Optimierung kann Ihnen auch eine Expertin aus dem Pool von GEMEINSAM G’SUND GENIESSEN helfen bzw. können Sie dazu eine Förderung beantragen. Mehr Informationen hier: Förderungen im Bereich Ernährung – Gesundheitsfonds (gesundheitsfonds-steiermark.at)

Ein kostenloses Essen in der Betriebskantine kann ein Teil der Goodies für Ihre Mitarbeiter*innen sein.

Rechtliche Information dazu:

  • Freie oder verbilligte Mahlzeiten, die der Dienstgeber seinen – nicht in den Haushalt aufgenommenen – Dienstnehmer*innen freiwillig (ohne rechtliche Verpflichtung) zur Verfügung stellt, sind steuer- und sozialversicherungsbefreit (vgl. § 3 Abs. 1 Z 17 Einkommensteuergesetz 1988; § 49 Abs. 3 Z 12 Allgemeines Sozialversicherungsgesetz). Die*der Dienstnehmer*in muss hierbei die Mahlzeit entweder direkt im Betrieb erhalten oder in ­einer Gaststätte konsumieren. Mehr Info bei der ÖGK.
  • Essenszuschüsse können in Betriebsvereinbarungen festgelegt werden.

Beim Essen kommen die Leut z’sam und auch beim Kochen. Überlegen Sie sich ob ein gemeinsamer Koch-Event für Ihr Unternehmen eine Möglichkeit wäre.

Beispiele:

Mehr dazu: