Das sind die Gewinner*innen des „SALUS“ 2022

Der „SALUS“ – Steirischer Qualitätspreis Gesundheit wurde am 20. Oktober 2022 in Graz vergeben. Ausgezeichnet wurden Projekte und die dahinterstehenden Menschen, die die Gesundheitskompetenz von Pflegenden stärken, die Notfall-Versorgung von Neugeborenen trainieren und das Steirische Fehlbildungsregister gegründet haben.

Der Steirische Qualitätspreis Gesundheit – „SALUS“ zeichnet Aktivitäten im Gesundheitswesen aus, die dabei helfen, Versorgungsqualität und Patient*innensicherheit zu verbessern. Verliehen wurde die Auszeichnung von der Gesundheitsplattform Steiermark am 20. Oktober 2022 bereits zum 14. Mal in der Alten Universität.

Die Siegerprojekte im Überblick:

  • Kategorie Gesundheitsversorgung: In-Situ-Teamtraining der Erstversorgung/Reanimation von Neugeborenen (Neonatologie Graz und LKH Feldbach)
  • Kategorie Gesundheitskompetenz: Stärkung der Gesundheitskompetenz von Pflegepersonen (Medizinische Universität Graz)
  • Auszeichnung für ein Lebenswerk: Steirisches Fehlbildungsregister von Martin Häusler

Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß: „Der ‚SALUS‘ rückt jene Menschen und Organisationen in den Vordergrund, die sich mit viel Engagement für die konsequente Verfolgung systematischer Qualitätsarbeit im Gesundheitswesen einsetzen. Durch ihre Arbeit kommen wir unserem Ziel, den Steirerinnen und Steirern die beste und qualitativ hochwertigste Versorgung anbieten zu können, noch ein Stück näher.“

„Tag für Tag leisten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den verschiedensten Gesundheitsberufen menschlich und qualitativ hochwertige Arbeit – und das trotz nicht gerade einfacher Rahmenbedingungen. Umso wichtiger ist es, besondere Leistungen auch öffentlich zu honorieren! ‚SALUS‘, der steirische Qualitätspreis Gesundheit, tut genau das und bietet damit ein sichtbares Zeichen der Anerkennung. Wir bedanken uns bei allen, die durch ihre Kompetenz und ihren Einsatz wesentlich zur Versorgungsqualität in unserem Land beitragen“, betonen die steirischen ÖGK-Landesstellenausschuss-Vorsitzenden Josef Harb und Vinzenz Harrer.

Auf Gesundheitskompetenz als Ressource für Gesundheitsförderung, Prävention und Versorgung ging Orkan Orkan, Leiter der neuen Professur für Health Literacy an der Technischen Universität München, in seiner Keynote ein. „Gesundheitskompetenz ist ein interdisziplinäres Konzept, das in Europa seit ungefähr zehn Jahren erforscht wird. Im Mittelpunkt stehen dabei die Kompetenzen für eine sachgerechte Verarbeitung von Informationen zur Gesundheit mit dem Fokus auf das Finden, Verstehen und Beurteilen von Informationen, um informierte Gesundheitsentscheidungen zu treffen.“ Orkan betonte, dass sich Gesundheitskompetenz in der Corona-Pandemie „als sozialer Impfstoff zeigt, der Menschen aufklärt, Wissen vermittelt, sie mobilisiert und ermächtigt, um Informationen in Gesundheitshandeln zu übertragen. Während sich die allgemeine Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in den letzten Jahren deutlich verschlechtert hat, zeigt die HLS-Covid-19 Studie, dass sich die corona-spezifische Gesundheitskompetenz in Deutschland – aber auch in Österreich und der Schweiz – im Zeitverlauf der Pandemie kontinuierlich verbessert hat.“

„SALUS 2022“-Preisträger Kategorie Gesundheitsversorgung

Projekttitel: Kollaboratives In-Situ-Teamtraining der Erstversorgung/Reanimation von Neugeborenen zwischen der Neonatologie Graz und dem LKH Feldbach

Institutionen: Klinische Abteilung für Neonatologie, Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde Graz (kurz: Neonatologie Graz) sowie Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin & Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, LKH Feldbach-Fürstenfeld, Standort Feldbach (kurz: LKH Feldbach)

Beschreibung:

Während bis zu zehn Prozent aller Neugeborenen nach der Geburt zumindest kurzzeitig medizinische Unterstützung benötigen, sind umfassende Wiederbelebungsmaßnahmen nur bei circa einem von 1.000 Reifgeborenen erforderlich. Dies macht Neugeborenen-Notfälle zu seltenen Ereignissen, die regelmäßiges Training des dafür verantwortlichen Personals erfordern.

Die Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des LKH Feldbach ist eine geburtenreiche Fachabteilung (2020: 1.100 geborene Kinder), verfügt jedoch nicht über eine 24-stündige Vor-Ort-Versorgung der Neugeborenen durch Fachärzt*innen für Kinder- und Jugendheilkunde.
Aus diesem Grund wurden im Jahr 2015 zwischen der Neonatologie Graz und dem LKH Feldbach regelmäßige Trainings vereinbart. Es handelt sich dabei um neonatologische Simulationstrainings im interprofessionellen und interdisziplinären Team und im realen Arbeitsumfeld. Geplant und abgehalten werden diese qualitätsgesicherten Trainings von in Graz aktiv tätigen Fachärzt*innen für Kinder- und Jugendheilkunde mit weiterführenden Ausbildungen in medizinischem Simulationstraining und Crisis Resource Management. Die Trainings unterstützen Pflegepersonal, Hebammen und ärztliches Personal verschiedener Fachdisziplinen beim Erwerben/Vertiefen von fachspezifischem Wissen. Manuelle, lebensrettende Maßnahmen werden praktisch geübt und im Team unter den zeitkritischen Bedingungen realistischer Notfälle angewendet.

Unter der Federführung von Lukas Mileder, Leiter der Paediatric Simulation Group Graz, Berndt Urlesberger, Leiter der Klinischen Abteilung für Neonatologie Graz, und Angelika Rohrleitner, geschäftsführender Oberärztin an der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin, wurden in Kreißsaal und Kinderzimmer des LKH Feldbach seit Juni 2015 elf ganztägige Simulationstrainings abgehalten. Nicht nur unmittelbare Trainingseffekte wurden erzielt, auch die Patient*innensicherheit hat sich durch Evaluierung und Optimierung des Arbeitsumfeldes erhöht. Aufgrund des offenkundigen Mehrwerts dieses beispielhaften Simulationstrainingsprogrammes sowohl auf fachlicher wie auch auf Ebene der Patient*innensicherheit wird die erfolgreich etablierte Kooperation zwischen Graz und Feldbach auch in Zukunft fortgeführt. Es ist geplant, die Frequenz auf zumindest drei Trainings pro Jahr zu erhöhen, um die große Nachfrage zu decken.

SALUS“-Gewinner Gesundheitsversorgung: Projekt In-Situ-Teamtraining der Erstversorgung/Reanimation von Neugeborenen:
v.l. Josef Harb (Landesstellenausschuss-Vorsitzender der ÖGK Steiermark); Lukas Mileder, Angelika Rohrleitner, Berndt Urlesberger, Jasmin Pansy, Nariae Baik-Schneditz, Bernhard Schwaberger, Wolfgang Raith (Vertreter*innen Gewinnerprojekt); Barbara Riener (Klubobfrau, Landtagsabgeordnete)

Fotocredit: Gesundheitsfonds Steiermark/Loske

„SALUS 2022“-Preisträger Kategorie Gesundheitskompetenz

Projekttitel: Stärkung der Gesundheitskompetenz von Pflegepersonen durch Befähigung zum gesundheitskompetenten Handeln im Rahmen der tertiären Ausbildung in Graz

Institution: Institut für Pflegwissenschaft, Medizinische Universität Graz

Beschreibung:

Die Anforderungen an die Pflegenden steigen. Um selbst gesund bleiben zu können und gesundheitsrelevantes Wissen an Personen im Gesundheitssystem optimal vermitteln zu können, ist eine hohe Gesundheitskompetenz der Pflegenden erforderlich. Studien zeigen, dass eine hohe Gesundheitskompetenz der Pflegenden eine Verbesserung der Praxis schaffen kann. Ziel dieses Projektes ist die Stärkung der Gesundheitskompetenz in der und durch die Pflege in Österreich im Rahmen der universitären Ausbildung an der Medizinischen Universität Graz.

Seit dem Jahr 2015 werden Maßnahmen zur Stärkung der Gesundheitskompetenz am Institut für Pflegewissenschaft in Graz umgesetzt, deren Projekterfolg anhand festgelegter Indikatoren gemessen wird. Zu Beginn des Projektes wurde das Thema Gesundheitskompetenz verstärkt in die Lehre aufgenommen. Dazu wurden in bestehende Lehrveranstaltungen Themen zu und über Gesundheitskompetenz integriert. Weiters wurde ein Wahlfach mit dem Titel „Stärkung der Gesundheitskompetenz – Rolle der Pflege“ konzipiert. Dieses wurde aufgrund des großen Interesses der Studierenden in ein Wahlpflichtmodul umgewandelt. Seit dem Wintersemester 2019 ist dies ein fixer Bestandteil des Curriculums für das Masterstudium Pflegewissenschaft. Seit Projektbeginn werden auch jährlich Abschlussarbeiten (Bachelor- und Masterthesen) mit dem Schwerpunktthema Gesundheitskompetenz ausgeschrieben und betreut. Dies ermöglichte es, dass mittlerweile eine beachtliche Zahl an wissenschaftlichen Abschlussarbeiten zum Thema Gesundheitskompetenz und Pflege besteht und erfolgreiche Arbeiten teils national und international ausgezeichnet wurden. Während der gesamten Projektlaufzeit wurden Expert*innen zum Thema Gesundheitskompetenz aus der Steiermark miteinbezogen, um die Expertise aus Theorie und Praxis vereinen zu können. Mitarbeiter*innen von Institutionen wie beispielsweise dem Frauengesundheitszentrum und dem Verein IKEMBA wirken bei der Abhaltung von Lehrveranstaltungen und der Betreuung von Abschlussarbeiten mit. Dieser Praxisbezug erlaubt es, das Bewusstsein bei den Studierenden zur Gesundheitskompetenz von Menschen unterschiedlicher Subgruppen (wie beispielsweise Migrant*innen oder älteren Menschen) zu schärfen. Um evidenzbasierte Gesundheitsinformationen zu unterschiedlichen Pflegethemen auch einer breiteren Personengruppe zur Verfügung stellen zu können, werden auf der Institutshomepage, unter der Rubrik „Forschung triff Praxis“ regelmäßig neue Informationsmaterialien veröffentlicht.

Der Pflegeberuf ist eine Profession mit vielseitiger Ausprägung. Indem Personen aus dem Pflegesektor im Hinblick auf die Gesundheitskompetenz gut ausgebildet sind, kann in weiterer Folge das Gesundheitssystem durch die Einbeziehung dieser Expert*innen gesundheitskompetenter gemacht werden. Durch dieses Projekt kann aufgezeigt werden, dass die Pflege eine wichtige Ressource zur Stärkung der Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung darstellt.

„SALUS“-Gewinner Gesundheitskompetenz: Stärkung der Gesundheitskompetenz von Pflegepersonen:
v.l. Josef Harb (Landesstellenausschuss-Vorsitzender der ÖGK Steiermark); Franziska Großschädl, Daniela Schoberer, Christa Lohrmann, Lena Lampersberger (Vertreterinnen Gewinnerprojekt); Barbara Riener (Klubobfrau, Landtagsabgeordnete)

Fotocredit: Gesundheitsfonds Steiermark/Loske

Qualitätspreis für ein Lebenswerk

Projekt/Lebenswerk: Gründung des Steirischen Fehlbildungsregisters

Preisträger: Martin Häusler

Beschreibung:

Register stellen ein wichtiges Instrument für eine umfassende Qualitätsarbeit dar. Bei etwa 300 Kindern werden jährlich in der Steiermark angeborene Fehlbildungen verschiedenen Schweregrades erkannt. Durch Erhebung diesbezüglicher Daten können Auslöser von angeborenen Fehlbildungen entdeckt und vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden.

Auf Initiative von Martin Häusler vom Forschungsverein zur Registrierung steirischer Geburtsfehlbildungen wurde im Jahr 1986 – nach dem Atomkraftunfall in Tschernobyl – begonnen, das Steirische Fehlbildungsregister aufzubauen. Seit mehr als 30 Jahren werden im Steirischen Fehlbildungsregister Daten von lebend geborenen, gestorbenen und tot geborenen Kinder mit Fehlbildungen und Schwangerschaftsabbrüchen erfasst.

Basierend auf den Registerdaten können genaue Statistiken über die Zahl (Prävalenz), Art und regionale Verteilung von angeborenen Fehlbildungen in der ganzen Steiermark erstellt werden. Dies ermöglicht eine datengestützte Diskussion gesundheitspolitischer Fragen, wie die Einführung entsprechender präventiver Maßnahmen oder die Auswirkungen diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen.

Da es in keinem andern Bundesland und auch nicht auf nationaler Ebene ein solches Register gibt, nimmt die Steiermark mit dem Fehlbildungsregister eine Vorreiterrolle in Österreich ein.

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